Die Qualitäten von GONE BALD, die heuer bereits ihr 10jähriges Bestehen feiern dürfen, einzig am aktuellen, bereits siebenten Album Soul Vacation In Rehab Clinic auszumachen, ist von Beginn an ein ziemlich ungerechtes Unterfangen. Doch was tut man nicht alles um dem geneigten Leser für das Interstellar-Festival den Mund wässrig zu machen. Die ursprünglich in Zagreb beheimatete Bandmitgliedschaft, die jedoch nach jedem Release wechselte, flüchtete vor Kriegsausbruch in die friedvollen Niederlande, um ihren Stil zwischen Sonic Youth, Jesus Lizard und den frühen Hardcore-Roots gedeihen zu lassen. Allein das Artwork rechtfertigt eine Beschäftigung mit dieser Band: In einer Art Film-Noir-Comic-Stil gehalten, wirken die Zeichnungen wie eine 30er-Jahre-Geisterbahn-Nostalgie. Die auf dem zugehörigen Silberling festgehaltenen 7 Songs bieten eine Stunde feinster, epischer, roh abgemixter Kompositionskunst, die erst nach eingehender Beschäftigung zu voller Blüte reifen. Nicht zu fassen, dass ich von dieser Band bis vor kurzem noch kein Sterbenswörtchen gehört habe, denn die Männer um Mastermind Razorblade Jr. verstehen ihr Handwerk in jeder Hinsicht: Überzeugend sind sowohl Zusammenspiel und Arrangements, als auch die pure, teils brachiale Emotionalität, die hier tatsächlich so bezeichnet werden darf und der Band das geben, wonach andere vielleicht ein Musikerleben lang suchen: Seele.
Ein Rätsel bleibt mir allerdings die Widmung auf der Innenseite: "Dedicated To The Ones Who Learned To Tango, The Hard Way!"