Gone Bald - Soul vacation in rehab clinic (Interstellar Records) Es gibt Alben, die findet man aufs erste Hören ganz o.k. Nach einigen Durchläufen legt man sie wieder weg, doch irgendwann beginnt man etwas von diesem Album zu vermissen - eine Melodie vielleicht. Man nimmt es wieder zur Hand und schon wächst es einem ein Stück näher ans Herz. Die Abstände zwischen dem Weglegen und wieder-zur-Hand-nehmen werden im Laufe der Zeit immer kürzer. Man beginnt interessante Breaks an ungewöhnlichen Stellen zu entdecken, lebt sich ein in eine gewisse Verschrobenheit, die aber charakterisch und nicht aufgesetzt ist. Und nahezu ohne es zu merken hat man sich in dieses Album verliebt. Es wird nicht verliehen, man könnte es ja just in diesen Tagen so sehr vermissen. „Soul vacation...“ ist ein solches Album. Was macht diesen eher uneigentlichen reduzierten Noise-Rock ohne Gitarrenwände so reizvoll? Worauf basiert diese überaus lange Halbwertszeit der Tracks, von denen keiner unter 6min ist ? Ist es der gelegentliche Fugazi-Groove, der Charme der frühen Sonic Youth der durchblitzt oder diese sporadischen Melodieläufe, die ihre osteuropäische Herkunft (Gone Bald sind nach Amsterdam emigrierte Kroatier) erahnen lassen? Vielleicht auch die interessante Rhythmusarbeit. Das muss wohl jeder für sich herausfinden. Auf alle Fälle machen diese Ehrlichkeit und der ureigene Charme diese Scheibe zu einer, die man wohl auch in Jahren immer wieder gerne auflegen wird. Auf „Soul vacation...“ kann man, obwohl Gone Bald nicht übermäßig komplex, jedoch in interessanten Songstrukturen, agieren, immer wieder auf Reizvolles stoßen. Sie kommen eben meist etwas um die Ecke daher . Wahrscheinlich wird „Soul vacation..“ aber wohl leider ein Minoritätenalbum bleiben. Nur wenige werden den spröden Charme, die verdeckte Genialität und Emotionalität für sich entdecken. Man müsste sich ja auch Zeit nehmen dafür. Zeit, die ich mir gerne genommen habe und mir immer wieder gerne nehmen werde. Mit schleichender Dosiserhöhung nimmt hier nämlich der Suchtfaktor proportional zu. Ich habe „Soul vacation...“ nun schon seit einigen Wochen. Ich habe noch niemanden davon erzählt, geschweige denn es verliehen. Werd ich auch bestimmt nicht. Dafür ist es mir viel zu sehr ans Herz gewachsen. Dieses Album ist wirklich etwas besonderes. NOISY NEIGHBOURS Christian Eder