Seit zehn Jahren gibt es Gone Bald, die offensichtlich
teils in Zagreb, teils in Amsterdam residieren, bereits und trotzdem
ist „Soul Vacation In Rehab Clinic“ der erste Tonträger
der Band, welcher meinen Weg kreuzt. Das mag schade sein, denn, soviel
schon mal vorweg, die Platte ist so gut, dass ich mir denken könnte
dass die älteren Sachen sicher ähnlich interessant sein dürften.
Andererseits sollte ich froh sein, nun endlich überhaupt etwas
hiervon mitzubekommen, auch wenn ich leider die neuen hier enthaltenen
Sachen in keinen größeren Bezug zu den alten stellen kann,
man möge es mir nachsehen. Musikalisch treffen Gone Bald mit ihrer
eigenwilligen Art von knochentrockenem, bis aufs Grundgerüst entschlacktem
Noise/Rock ziemlich genau meinen Geschmack, denn das hier ist absolut
zeitloser Sound, der vor zehn Jahren schon auf AmRep oder Touch&Go
hätte erscheinen können, das nicht tat, und doch klingen Gone
Bald auch im Hier und Jetzt gleichermaßen traditionell wie frisch,
und das hinzukriegen ist mit Sicherheit gar nicht so einfach. Musikalisch
ist man bis auf die Definition „Noise“ extrem schwer einzuordnen,
und doch besteht da natürlich Erklärungsbedarf. Dabei darf
man sich Gone Bald nicht wirklich ungestüm und laut vorstellen,
denn diese Band geht eher subtil statt vordergründig hart zu Werke.
Die Songs, deren Bestandteile Gitarre, Gesang, Bass und Drums absolut
gleichwertige Elemente bilden, lassen sich viel Zeit meistens und entwickeln
sich langsam, aber stetig intensiver und eindringlicher werdend, wobei
Gone Bald auch große Freunde dieses sog. „Albini-Sounds“
sein dürften, was das Klangbild insgesamt anbelangt.........auch
wenn man mit Shellac an sich musikalisch nicht weiter viel zu tun hat,
denn wo letztere meist abgehackt und rhythmisch agieren, kommen Gone
Bald eher schleichend, kantig und mit den traurigsten Minimalmelodien
ausgestattet daher, die Mensch einer äußerst geschmackvoll
verzerrten Gitarre entlocken kann. Weil das alles sehr vage Aussagen
sind, ich Gone Bald aber nicht direkt mit dem Schaffen anderer Bands
vergleichen kann (einfach weil dieser Sound dafür viel zu eigenwillig
ist), man aber dennoch zumindest ein paar entfernt ähnliche Sachen
nennen sollte, hier ein paar von Gone Bald selbst auf ihrer Site gelinkte
Bands, die garantiert nicht ganz umsonst dort aufgeführt sind:
Bug, Les Savy Fav, Oxbow, Valina, Vaz. Live haben sie u.a. bereits mit
(natürlich) Jesus Lizard, den Butthole Surfers, The Ex, Sebadoh
oder auch Don Caballero gespielt, und auch wenn Gone Bald keine Musik
wie exakt eine dieser genannten Bands machen, so sind doch Elemente
davon jeweils immer irgendwie enthalten. Sei es der aufs absolut Wesentliche
reduzierte und dadurch umso härter wirkende Sound wie z.B. bei
Bug, aus minimalen musikalischen Mitteln das Maximum herausholend wie
meinetwegen Les Savy Fav, die selbstkasteiende, schleichende, quälende
und unterschwellig gefährliche Brutalität von Oxbow, die instrumentale
Subtilität von Valina oder auch der Noise von Vaz. Alles das ist
hier mit drin, nur eben kondensiert in einen ganz eigenen Stil und oftmals
überlange Songs, denen man in jeder Sekunde anhört, wie viel
Können, Aufwand und vor allem Herzblut da dahinter steckt. Das
ist Musik um ihrer selbst Willen, die offensichtlich genau so raus muss
aus ihren Erzeugern, und dass Gone Bald selbst absolute Musikliebhaber
und Plattenfetischisten sein dürften, kann man leicht daran erkennen,
dass sie im Jahre 2001 ein Album mit dem Titel „S.O.S.“
herausbrachten, das als Verpackung in einem benutzten Arbeitshandschuh
daherkam. „Soul Vacation In Rehab Clinic” ist dann nicht
ganz so extravagant ausgefallen, was die äußere Hülle
betrifft, nichtsdestotrotz ist die Aufmachung sehr interessant und vor
allem auch das Cover transportiert die Wirkung des musikalischen Inhalts
ziemlich treffend für meinen Geschmack. Musik, so traurig und desillusionierend
wie das Leben, umgesetzt in eckige, bizarre, quälende, hässliche
und doch auf eine Art auch schöne Songs. Weil das so ist, stört
auch der deutlich herauszuhörende kroatische Akzent des Sängers
nicht, sondern unterstreicht vielmehr die Authentizität von Gone
Bald, die garantiert ebenfalls eine ziemlich beeindruckende Liveband
sein dürften. Ein Geheimtipp, der es absolut lohnt entdeckt zu
werden, zumal von Leuten, die bereits bei den in diesem Text gefallenen
Namen hellhörig wurden. Und eine Glatze kriegen wir ja schließlich
fast alle früher oder später........ (Thomas Jänsch) |